Wie neue Technologien die Recherche verändern

13. September 2010 • Digitales • von

EJO-Research

40 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Österreichs Politikjournalisten mit Recherche. Doch wo recherchieren sie bevorzugt? Welche Quellen werden weniger berücksichtigt?

Diesen Fragen widmet der eben erschienene „Journalisten-Report III“ einen seiner Schwerpunkte. Die Forscher haben herausgefunden, dass Offline-Methoden wie Gespräche und Telefonate nach wie vor die beliebtesten Recherchemittel sind.  

Für den dritten Band aus der Publikationsreihe zum Journalismus in Österreich, den ich gemeinsam  mit meinen Kollegen Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin herausgegeben habe (facultas.wuv), fokussierten die Autoren aus Wissenschaft und Praxis auf Journalisten aus dem Politikressort. Hundert der rund 340 österreichischen Politikjournalistinnen und -journalisten wurden für den Band in CATI-Interviews befragt. Wie neue Technologien und Kommunikationsformen die Recherche verändern, wollten wir unter anderem von den befragten Journalistinnen und Journalisten wissen.

Das Ranking der wichtigsten Recherchemittel führen für die österreichischen Politikjournalisten nach wie vor Offline-Methoden an: Auf den ersten beiden Plätzen landen persönliche Gespräche mit Informanten und Interviewpartnern, dicht gefolgt von Telefonaten. Das Internet findet sich auf Platz drei der wichtigsten Recherchemittel.

Doch „das Internet“ ist groß – Websitetypen und Webanwendungen sind zahlreich. Die in der Befragung deutlich gewordene Dominanz der Recherche in redaktionellen Medien einerseits, via Suchmaschinen andererseits ist Hinweis auf Selbstreferenzialität und Googleisierung im österreichischen Politikjournalismus: Mehr als zwei Drittel der österreichischen Politikjournalisten verwenden täglich redaktionelle Online-Angebote anderer Medien für die Recherche. Am weitaus bedeutendsten sind jedoch Suchmaschinen: 97 Prozent der Politikjournalisten nutzen sie täglich. „Suchmaschinen“, das ist dabei fast gleichbedeutend mit „Google“: 95 Prozent verwenden das Angebot.

Deutlich weniger bedeutend sind andere Info-Kanäle, also etwa Websites von Ministerien und Regierung (von 27 Prozent täglich, von 52 Prozent mindestens einmal pro Woche genutzt). Die Websites von Verbänden, Kammern und Interessensvertretungen werden von 14 Prozent der Befragten täglich, von 46 Prozent mindestens einmal pro Woche aufgerufen, noch seltener die Webauftritte von Parteien (13 Prozent täglich; 35 Prozent mind. einmal pro Woche)  und nur gelegentlich jene von einzelnen Politikern: Diese werden nur von 7 Prozent täglich und 19 Prozent wöchentlich angesurft.

Nicht ins Gewicht fallen die in ihrem Einfluss auf den Journalismus vieldiskutierten Web-2.0-Dienste wie Twitter, Wikinews oder Chats. Sie werden von Österreichs Politikjournalisten für ihre Recherche kaum als Quelle herangezogen – getratscht wird wohl noch hinter vorgehaltener Hand und weniger via iPhone.

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