Neue ethische Fragestellungen im Internet

3. März 2010 • Qualität & Ethik • von

Daniela Kraus vom Medienhaus Wien hat mit dem EJO über Medienselbstkontrolle, Medienethik und Innovationen im Journalismus in Österreich gesprochen.

Frau Kraus, gibt es erfolgreiche Beispiele für Media Accountability in Österreich?

Ich könnte eher viele misslungene Beispiele aufführen. In Österreich gibt es seit 2002 keinen Presserat, das ist schon einmal eine Ausnahmesituation, wobei jetzt gerade wieder ein „Presserat“ neu gegründet wird. In Österreich gibt es in den „alten“ Medien zudem fast keinen Medienjournalismus und so gut wie keine Diskurse über Medien und Journalismus. Gelungen sind die Postings bei der Medienberichterstattung im Internet. Standard.at hat eine ziemlich rege Medienberichterstattung – eigentlich die einzige in nennenswertem Umfang im Land. Dort finden häufig Diskussionen statt, die teilweise allerdings manchmal ein fragwürdiges Niveau haben, auch, weil Beiträge anonym gepostet werden können.

Sehen Sie durch Online-Journalismus die Medienethik gefährdet?

Durch Online-Journalismus gar nicht. Ich denke, man sollte unterscheiden zwischen Journalismus und Nicht-Journalismus, aber nicht zwischen den einzelnen Kanälen. Im Journalismus sollten dann jeweils die gleichen Grundsätze eingehalten werden. Aber natürlich gibt es drumherum im Internet viele Probleme und neue ethische Fragestellungen, die sich zum Beispiel aus dem Fehlen ethischer Standards für User Generated Content und dessen Nutzung und Weiterverbreitung im Online-Journalismus ergeben.

Was war eine der wichtigsten Innovationen im Journalismus in Österreich in der jüngsten Vergangenheit?

Vor allem der – zum Teil gelungene – Versuch des Zusammenspiels zwischen Print und Online. Aber auch die Entwicklung des Online-Journalismus generell würde ich als positiv sehen, weil er von copy and paste, also der Übernahme von Print-Artikeln, zu eigenständigen Formaten weiterentwickelt wurde.

Eine weitere wichtige Innovation ist die akademische Ausbildung für Journalisten, die es bis 2002 in Österreich gar nicht gab. Sie etabliert sich jetzt in den Medienhäusern, und es gibt viel mehr Leute, die nicht nur aus Fachgebieten kommen, sondern auch tatsächlich fundiertes Medienwissen haben. Damit haben sie, so kann man zumindest hoffen, auch einen reflektierteren Zugang zu dem, was sie tun.

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